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USA: Leitfaden für Stellenausschreibungen

Résumé-Kultur, 1-Seiten-Norm, EEO/At-will und Pay Transparency – alles, was du über den US-Arbeitsmarkt wissen musst

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US-amerikanische Stellenausschreibung mit typischen Elementen

Der US-Arbeitsmarkt hat eigene Regeln – von achievement-first Résumés bis zu staatlicher Pay Transparency

Der US-Arbeitsmarkt: Eine andere Welt

Der amerikanische Arbeitsmarkt unterscheidet sich fundamental vom europäischen. Mit über 160 Millionen Beschäftigten ist er der größte der westlichen Welt – und hat seine ganz eigenen Spielregeln.

Wer in den USA nach einem Job sucht oder dort rekrutieren möchte, muss die kulturellen Unterschiede verstehen: Das prägnante Résumé statt des ausführlichen Lebenslaufs, die achievement-first Mentalität und die rechtlichen Besonderheiten wie EEO und At-will Employment.

Dieser Guide erklärt alle wichtigen Aspekte für Bewerber und HR-Profis, die auf dem US-Markt erfolgreich sein wollen.

Résumé vs. CV: Der fundamentale Unterschied

Im US-Kontext sind 'Résumé' und 'CV' keine Synonyme. Das Résumé ist ein prägnantes, maximal zweiseitiges Dokument für die meisten Positionen. Ein CV (Curriculum Vitae) hingegen ist ein ausführliches akademisches Dokument, das nur in Wissenschaft, Medizin und einigen Führungspositionen erwartet wird.

Das US-Résumé zeichnet sich aus durch:

  • Achievement-first Formulierungen mit messbaren Ergebnissen
  • Keine persönlichen Informationen (Foto, Geburtsdatum, Familienstand)
  • Action Verbs am Satzanfang ('Led', 'Achieved', 'Increased')
  • Quantifizierte Erfolge ('Increased revenue by 35%')
  • Reverse-chronologische Struktur

Résumé vs. CV: Key Differences

Résumé

1-2 Seiten, achievement-focused, keine persönlichen Daten, für Business-Positionen

Academic CV

Beliebig lang, vollständige Publikationsliste, für Akademia und Forschung

Executive Résumé

2-3 Seiten, strategische Narrative, Board-Erfahrung, P&L-Verantwortung

Federal Résumé

4-6 Seiten, detaillierte Pflichten, für US-Regierungsstellen (USAJobs)

1

Seite Standard

Für die meisten Positionen mit <10 Jahren Erfahrung

2-3

Seiten für Executives

Senior-Level, Technical ICs, C-Suite

6

Sekunden Screening

Durchschnittliche Zeit für ersten Résumé-Check

Die 1-Seiten-Norm verstehen

Die Vorliebe für einseitige Résumés hat praktische Gründe: US-Recruiter screenen oft hunderte Bewerbungen täglich. Ein prägnantes Dokument erhöht die Chancen, dass die wichtigsten Qualifikationen sofort sichtbar sind.

Wann mehr als eine Seite akzeptabel ist:

  • 10+ Jahre relevante Berufserfahrung
  • Executive-Level Positionen
  • Technical Individual Contributors (Staff+)
  • Positionen, die umfangreiche technische Skills erfordern
  • Federal Government Jobs (eigene Formatvorgaben)

EEO & At-will Employment

Equal Employment Opportunity (EEO)

Standardklausel zur Gleichbehandlung. Diskriminierung aufgrund von Race, Religion, Geschlecht, Alter, Behinderung oder nationaler Herkunft ist verboten.

At-will Employment

In den meisten Staaten können Arbeitgeber oder Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden.

EEOC Compliance

Arbeitgeber mit 15+ Mitarbeitern müssen EEOC-Richtlinien befolgen und entsprechende Statements in Stellenanzeigen aufnehmen.

Right-to-work States

In 27 Staaten sind Closed-Shop-Vereinbarungen verboten – Gewerkschaftsmitgliedschaft ist freiwillig.

Was bedeutet At-will für Bewerber?

At-will Employment ist ein Konzept, das vielen europäischen Bewerbern fremd ist. Es bedeutet, dass das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten jederzeit beendet werden kann – ohne die in Europa üblichen Kündigungsfristen und Schutzbestimmungen.

Wichtig zu wissen:

  • Kündigungsschutz existiert nur für geschützte Klassen (Diskriminierung)
  • Abfindungen sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber bei Executives üblich
  • Arbeitsverträge können diese Regelung modifizieren
  • Montana ist der einzige Staat ohne At-will-Doktrin

Pay Transparency: Die neue Normalität

Pay Transparency ist einer der bedeutendsten Trends im US-Recruiting. Immer mehr Staaten und Städte verpflichten Arbeitgeber, Gehaltsspannen in Stellenanzeigen anzugeben.

Dies verändert die Dynamik des Bewerbungsprozesses fundamental – Kandidaten können Angebote besser einschätzen und Gehaltsverhandlungen beginnen auf einer transparenteren Basis.

Pay Transparency nach Staat

Staat/StadtAnforderungSeit
CaliforniaGehaltsspanne in allen Stellenanzeigen2023
New YorkGehaltsspanne + Remote-Positionen bundesweit2022
ColoradoGehaltsspanne + Benefits-Info2021
WashingtonGehaltsspanne + Benefits-Beschreibung2023
ConnecticutAuf Anfrage oder im Angebot2022

Pay Transparency Best Practices

Gehaltsspanne angeben

Base Salary Range klar kommunizieren. Zu breite Spannen (z.B. $50k-$150k) wirken unglaubwürdig.

Total Compensation

Bonus, Equity, 401(k)-Match und Benefits-Wert transparent darstellen.

Remote-Positionen

Für remote Jobs gelten oft die strengsten staatlichen Regeln (z.B. NY für alle US-Bewerber).

Compliance

Bei Multi-State-Präsenz: Strengste Regel anwenden, um compliant zu bleiben.

US-Bewerbungskultur verstehen

Die amerikanische Bewerbungskultur ist dynamischer und direkter als die europäische. Networking spielt eine zentrale Rolle – viele Stellen werden über Referrals besetzt, bevor sie öffentlich ausgeschrieben werden.

Kulturelle Besonderheiten:

  • Selbstbewusste Selbstdarstellung wird erwartet (kein falsches Understatement)
  • Cover Letters sind wichtig und sollten personalisiert sein
  • Follow-up E-Mails nach Interviews sind Standard
  • LinkedIn-Profil ist oft wichtiger als gedrucktes Résumé
  • Background Checks sind üblich und umfassend

In den USA geht es nicht darum, was du getan hast, sondern welche Ergebnisse du erzielt hast. Achievement-first Writing und quantifizierte Erfolge sind der Schlüssel.

HR Director, Fortune 500

Do's and Don'ts für US-Bewerbungen

DO: Quantifizieren

Ergebnisse mit Zahlen belegen ($, %, Anzahl)

DO: Action Verbs

'Led', 'Achieved', 'Increased' statt Passiv

DO: Tailoring

Résumé an jede Stelle anpassen

DON'T: Foto

Kein Foto, Alter oder persönliche Infos

DON'T: Pronouns

Keine 'I' oder 'my' Formulierungen

DON'T: Paragraphs

Bullet Points statt Fließtext

Häufige Fragen

Brauche ich ein Foto im US-Résumé?

Nein, auf keinen Fall. Fotos im Résumé können rechtliche Probleme für Arbeitgeber verursachen (Diskriminierungsvorwürfe). Persönliche Informationen wie Geburtsdatum, Familienstand oder Nationalität gehören ebenfalls nicht hinein.

Was bedeutet 'Equal Opportunity Employer'?

Diese Klausel signalisiert, dass der Arbeitgeber die EEOC-Richtlinien befolgt und nicht aufgrund geschützter Merkmale diskriminiert. Fast alle professionellen Stellenanzeigen enthalten diese Formulierung.

Wie bewerbe ich mich aus Europa auf US-Stellen?

Du benötigst eine Arbeitserlaubnis (H-1B Visum für Fachkräfte, L-1 für Firmentransfers). Erwähne im Cover Letter, ob du Sponsorship benötigst. Viele Arbeitgeber sponsern nur für schwer zu besetzende Positionen.

Was ist der Unterschied zwischen Résumé und Resume?

Beides ist korrekt. 'Résumé' ist die ursprüngliche französische Schreibweise mit Akzenten, 'Resume' die amerikanisierte Version. Beide werden akzeptiert, wobei 'Resume' ohne Akzente häufiger verwendet wird.

Muss die Gehaltsspanne in der Stellenanzeige stehen?

Das hängt vom Staat ab. California, New York, Colorado und Washington haben Pay Transparency Laws, die Gehaltsspannen in Stellenanzeigen vorschreiben. Für Remote-Positionen gelten oft die strengsten Regeln.

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